Kinder trauern anders

Kinder trauern anders

"Gibt es im Himmel auch Kaugummi?“
Kinder trauern anders - Jugendliche erst recht

Trauer ist eine gesunde Reaktion auf einen Verlust.
Ohne sie wäre es uns Menschen nicht möglich, Verluste im Leben zu integrieren und sich neu zu orientieren.
Trauer tritt nicht nur in Verbindung mit Tod & Sterben auf.

Fast täglich müssen wir uns von etwas oder jemandem verabschieden, z.B. dem besten Freund, der umzieht; dem Kindergarten oder der Schule, dem verlorenen Ring; etc.

Der Tod eines geliebten Menschen, ob für uns absehbar oder völlig überraschend, bringt unsere Welt ins Wanken. Trauer, Fassungslosigkeit, Hilflosigkeit, Verzweiflung, Leere und Ohnmacht sind Gefühle, die viele Menschen in solch einer Situation erleben. Der Fokus ändert sich. Plötzlich ist so vieles zu überlegen und zu entscheiden. Und zwischen all den Erwachsenen, die von Ihrer Trauer oftmals überwältigt sind, sind meist auch Kinder und Jugendliche betroffen.

Wie wir mit Trauer umgehen, lernen wir an unseren Vorbildern (d.h. Familie / Freundeskreis etc.)
Sind Tod & Trauer ganz normale Themen über die gesprochen werden darf? Wird Trauer gezeigt? Wenn ja, wie wird getrauert und wie wird damit umgegangen? Ein wichtiges Thema!

Mit etwa acht Jahren kann ein Kind verstehen, was „Sterben & Tod“ ist. Die Bedeutung von „Endlichkeit“, wird oft erst in der Pubertät wirklich verstanden.

Kinder (ab dem Kindergartenalter)

„Gibt es im Himmel auch Kaugummi?“ Das fragte mich Louis (5 Jahre), nachdem sein Opa gestorben war. Diese Frage beschäftigte ihn wirklich sehr, da er Kaugummi liebt und es so gerne mit seinem Opa geteilt hat. „Vor allem das mit Erdbeergeschmack in der roten Packung“, wie er immer betonte.

Kinder haben eine ganz eigene Sicht auf die Dinge und gehen in der Regel noch viel unbefangener mit dem Thema um. Je nach Alter und Entwicklungsstand begreifen sie oft mehr, als wir ihnen zutrauen. In jedem Fall spüren sie aber, wenn etwas "nicht stimmt" bzw. etwas passiert ist, dass die Erwachsenen aus der Bahn wirft - auch wenn das Kind es vielleicht noch nicht ausdrücken kann. Ein altersgemäßes (Bilder-) Buch ist meisten sehr hilfreich - für beide Seiten.
Man kommt ins Gespräch über das Unfassbare, trauert gemeinsam. Und das Kind versteht nun vielleicht besser, was z.B. am Tag der Bestattung passiert. Das ist für Kinder wichtig, denn sie möchten begreifen, was vor sich geht. Bücher wie z.B. „Omas Reise zu den Sternen“ oder „der Baum der Erinnerung“ spenden vielleicht Trost, da sie eine neue Perspektive eröffnet und Mut machen.

Während Erwachsene „in Wellen“ trauern, spricht man bei Kindern von "Trauerpfützen". D.h. Kinder sind ebenso schnell aus ihrer Traurigkeit wieder heraus, wie sie "hinein gehüpft" sind und können im nächsten Moment schon wieder unbeschwert über die Wiese tollen. Bis dann die nächste "Pfütze" kommt... Dies hat nichts damit zu tun, dass ihnen die verstorbene Person gleichgültig war. Dieses Verhalten ist für Kinder ein überlebensnotwendiges Schutzprogramm.
Sie löchern Erwachsene mit Fragen, wie z.B. die große Oma in die kleine Urne hinein passt, was mit dem Körper passiert, wenn man gestorben ist oder ob es einen Himmel gibt. Diese Suche nach Antworten ist Teil ihrer Trauerarbeit. Es ist ihr Weg, ihre Welt neu zu ordnen und zu verstehen.
Erst mit etwa acht Jahren sind Kinder in der Lage zu begreifen, was Sterben bedeutet. In diesem Alter werden sie sich auch darüber bewusst, dass auch ihr eigenes Leben irgendwann einmal endet. Im Zusammenhang mit einem Trauerfall kann das Ängste auslösen. "Muss ich morgen auch sterben, so wie Onkel Paul?". Nun ist es wichtig, mit dem Kind darüber zu sprechen und die Ängste wieder abzubauen.

Teenager /Jugendliche

Keine (kleinen) Kinder mehr auch noch nicht erwachsen. Sie befinden sich in der Pubertät und somit in einer Phase der Neuorientierung. Das macht es für sie - und für die anderen in ihrem Umfeld - nicht immer einfach. Für Jugendliche ist ein Trauerfall in der Familie, dem näheren Umfeld oder Freundeskreis oft eine besonders schwierige Situation, die viel Fingerspitzengefühl erfordert.
Denn sie müssen jetzt nicht nur den ganz normalen „Alltags-Wahnsinn eines Teenagers“ meistern, sondern zusätzlich auch noch die Trauersituation. Seien Sie geduldig, offen und gesprächsbereit. Bleiben Sie in Kontakt und zeigen Sie: „Wenn du mich brauchst, bin ich für Dich da.“

Manche Jugendliche entwickeln Schuldgefühle und fühlen sich völlig zu Unrecht für den Tod des anderen verantwortlich. Scheuen sie sich nicht, professionelle Hilfe hinzu zu ziehen, wenn sie sich unsicher sind oder mit einer Situation überfordert fühlen! Dann sprechen Sie bitte unbedingt mit Ihrem Kinder- oder Hausarzt darüber.

Unsere"Trauerbibliothek"

In unserer Bibliothek finden Sie eine Auswahl an Fachliteratur und (Bilder-) Büchern zu verschieden Themen und Altersstufen, wie auch Ratgeber für Eltern, Kitas und Schule. Selbstverständlich führen wir auch Literatur zu Trauerbewältigung für Erwachsene und Jugendliche.

Wie Abschied gelingen kann

  • Lassen Sie Kinder & Jugendliche an der Trauer und dem Abschied Teil haben: Ein letzter Brief, ein Bild, die selbst bemalte Urne - all das kann helfen. Vielleicht möchte sich das Kind / der Jugendliche bei der Auswahl der Blumen, Musik, etc. für die Bestattung beteiligen : „Oma mochte gelbe Rosen so gerne“. Dieses „Teil haben“ soll nicht erzwungen, aber angeboten werden. Es sollte achtsam und angemessen geschehen, entsprechend der Entwicklung, dem Alter des Kindes, etc. Selbstverständlich darf das Kind / der Jugendliche seine eigenen Vorstellungen zu den Dingen haben und dies auch äußern dürfen.

  • Ehrlichkeit ist wichtig! Teilen Sie mit, warum jemand verstorben ist. Es geht hier nicht um detaillierte Ausführungen! Kinder suchen nach dem WARUM. So kann schon das Kindergartenkind die Situation besser verarbeiten, wenn es erfährt, dass es z.B. einen Unfall mit zwei Autos gegeben hat, bei dem Onkel Helmut gestorben ist. Oder das der Opa, der schon sehr lange krank war, im Krankenhaus gestorben ist. Erwachsene müssen dem Kind nicht alles erzählen. Was Sie jedoch mitteilen, sollte der Wahrheit entsprechen. Bitte beachten Sie: Das Gesagte muss für das Kind / den Jugendlichen verständlich sein – ohne Angst zu machen. Generell sind Aussagen wie: „Oma wohnt jetzt auf dem Friedhof“ oder „Tante Hanna ist friedlich eingeschlafen“ für Kinder ehr verwirrend, da sie den Sinn der Redewendung nicht verstehen. Je nach Alter nehmen sie das Gesagte wörtlich.

  • Verantwortung abgeben: Auch Eltern sind nur Menschen! Bestimmt gibt es eine Vertrauensperson aus dem Familien- oder Freundeskreis der /die einen guten Zugang zu dem Kind / Jugendlichen hat und Unterstützen kann. Zudem gibt es Trauergruppen - speziell für Kinder > siehe Rat & Hilfe

  • Bitte informieren Sie auch den Kindergarten / die Schule, den Verein, den engen Freundeskreis über den Trauerfall. Das schafft Verständnis für die Situation.

  • Für jedes Alter gilt: Scheuen sie sich nicht, professionelle Hilfe hinzu zu ziehen, wenn sie sich unsicher sind oder mit der Situation überfordert fühlen. Sprechen Sie mit Ihrem Kinder- oder Hausarzt darüber.

  • Trauer braucht Zeit - bei großen, wie bei kleinen Menschen!
    Trauen Sie sich gemeinsam zu trauern, neue Wege zu suchen und zu finden.

Familien in der Trauer begleiten - ein Herzensprojekt

"Durch meine langjährige Tätigkeiten als Erzieherin & Hebamme durfte ich viel Erfahrung in der Arbeit mit Kindern bzw. Familien sammeln. Dieses Thema ist für mich ein echtes Herzensprojekt"

Waldschmidt

Martina Waldschmidt

Staatl. anerkannte Erzieherin & Examinierte Hebamme

Wenn Sie Fragen zum Thema haben, sprechen Sie uns gerne an.
Gemeinsam finden wir Wege, um auch den Kindern und Jugendlichen in der Familie einen guten Abschied zu ermöglichen.

Wir bieten Ihnen:

  • Individuelle Beratung entsprechend dem Alter des Kindes
  • Erste-Hilfe-Plan für Eltern & Kinder im / für den Trauerfall
  • Ausleihen von Bücher aus unserer (Trauer-)Bibliothek
  • Informationsveranstaltungen für Konfirmandengruppen und Schulklassen